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Wie digital ist das Gesundheitswesen in Deutschland?

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Gerade in den letzten zwei Jahren war und ist das deutsche Gesundheitswesen in aller Munde. Umfassend diskutiert werden unter anderem die elektronische Gesundheitsakte, Video-Sprechstunden oder auch das digitale Rezept der Hausärzt:innen. Doch was bedeutet das alles eigentlich im Genauen? Und wie kann die Digitalisierung des Gesundheitswesens bei der Behandlung von Patient:innen unterstützen?

Die elektronische Gesundheitsakte

Aktuell sind die wichtigen Gesundheitsdaten zerstreut bei Krankenkassen, Ärzt:innen oder Therapeut:innen gespeichert. Die behandelnden Ärzt:innen haben keinen Zugriff auf bereits vorhandene Untersuchungsergebnisse anderer Fachärzt:innen. Dies hat zur Folge, dass Röntgen- oder CT-Aufnahmen doppelt erhoben werden, Behandlungspläne zwischen den Fachabteilungen nicht abgestimmt sind oder die fachliche Expertise einer medizinischen Arbeitskraft nicht ausreicht. Neben unnötig verursachten Kosten, entsteht auf diese Weise zusätzlicher Aufwand - ein vermeidbarer Zeitfresser im Arbeitsalltag. Doch wie kann die elektronische Gesundheitsakte hier Abhilfe schaffen?

In der elektronischen Gesundheitsakte werden alle wichtigen Daten zu Erkrankungen, Behandlungsplänen und Untersuchungsergebnissen gespeichert. Dabei können Ärzt:innen ortsunabhängig auf die Akte zugreifen, was besonders wichtig ist, wenn Patient:innen von mehreren Fachärzt:innen behandelt werden, wie es bei schweren Erkrankungen meistens der Fall ist. Das medizinische Personal kann sich über Befunde austauschen und mithilfe der eigenen Expertise gegenseitig beraten. Durch die begünstigte Kooperation zwischen den Fachabteilungen können Diagnosen schneller und sicherer gestellt sowie widersprüchliche Behandlungspläne verhindert werden. Somit werden Effizienz und Qualität im Behandlungsverlauf enorm gesteigert, wovon letztendlich die Patient:innen profitieren - eine Win-Win-Situation.

Video-Sprechstunden: Das ortsungebundene Ärzt:innengespräch

Schon von vielen Ärzt:innen wird die Video-Sprechstunde angeboten. Dabei erfolgt das Arztgespräch online über einen Bildschirm. Das bedeutet, dass Patient:innen von jedem Ort aus das Behandlungsgespräch wahrnehmen können. Alles was hierfür benötigt wird, ist lediglich der Bildschirm oder Display eines Computers/Laptops/Smartphones oder eines ähnlichen Gerätes. Außerdem benötigt werden eine Web-Kamera, ein Mikrofon, ein Lautsprecher sowie eine stabile Internetverbindung. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, ergeben sich enorme Vorteile durch die Video-Sprechstunde:

  • Wartezeiten werden vermieden
  • Keine langen Anfahrtswege mehr
  • Auch immobile Patient:innen können versorgt und betreut werden

Andererseits ist die Online-Sprechstunde lediglich eine Ergänzung, kein Ersatz für den Besuch in der Arztpraxis. Notwendige körperliche Untersuchungen, wie das Abhören der Lunge oder Abtasten von betroffenen Körperteilen, sind über die Kamera nicht möglich. Auch Laboruntersuchungen, wie Blutabnahmen können nur vor Ort erhoben werden. Dadurch ergibt sich im nächsten Schritt die Problematik von möglichen Falschdiagnosen. Oft in Vergessenheit geraten außerdem die unzureichenden digitalen Infrastrukturen in den ländlichen Regionen. Häufig ist die Internetverbindung zu schwach oder instabil, um das Angebot der Video-Sprechstunde in vollem Umfang nutzen zu können.

Das digitale Rezept

Laut dem Bundesgesundheitsministerium wird das sogenannte E-Rezept bereits seit dem Sommer 2021 in den Regionen Berlin/Brandenburg sowie seit Dezember 2021 bundesweit getestet. Patient:innen können ihr E-Rezept mit dem Smartphone in einer hierfür vorgesehenen App verwalten und digital an ihre Wunsch-Apotheke senden. Außerdem besteht die Möglichkeit in der Arztpraxis die Zugangsdaten für die Einlösung des E-Rezepts als Papierausdruck zu erhalten. Somit können zukünftig Medikamente, aber auch andere Heil- und Hilfsmittel digital verordnet werden.

Weitere technologische Unterstützungen: Der VITAS Telefonassistent

Vor allem mit dem Blick auf ältere Generationen können die digitalen Angebote auch Unbehagen auslösen. Der Umgang mit einem Smartphone oder Tablet gehört noch lange nicht für Jede:n zum Alltag. Viele bevorzugen beispielsweise die Bestellung ihrer Medikamente oder die Anfrage eines Termins über das Telefon. Hierdurch kann das ohnehin viel beschäftigte medizinische Fachpersonal jedoch an seine Grenzen gebracht werden. Die Patientenversorgung vor Ort hat oberste Priorität, daneben müssen administrative Aufgaben erledigt und anstehende Termine vorbereitet werden. Ein kontinuierlich klingelndes Telefon hat hier gerade noch gefehlt. Eine Möglichkeit das Personal zu entlasten, kann der Telefonassistent von VITAS sein. Hierbei handelt es sich um einen digitalen Assistenten, der Standardanfragen wie etwa die Terminvergabe und Rezeptbestellungen automatisiert bearbeitet. Dank seinem menschenähnlichen Sprachverhalten gehören nerviges Tastendrücken oder lange Warteschleifen der Vergangenheit an. Somit ist der Telefonassistent die ideale Unterstützung für die Arztpraxis: Patient:innen rufen an und können direkt einen Arzttermin vereinbaren oder ihre Medikamente bestellen. 

Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen

Welche Vorteile ergeben sich für die Bevölkerung direkt aus der Digitalisierung? 

Für die Patient:innen ergeben sich vor allem Chancen im Bereich der Optimierung der medizinischen Versorgung. Ein allseits bekanntes Problem, welches Patient:innen häufig äußern, ist der Zeitmangel im Arztgespräch. Das medizinische Personal kann sich nicht die benötigte Zeit für seine Patient:innen nehmen, um Behandlungspläne umfassend zu besprechen und zu erläutern. Als Resultat verlassen viele Patient:innen die Praxis, ohne wirklich zu wissen, welche Medikamente sie beispielsweise einnehmen müssen. Mit Blick auf die Patientenzufriedenheit ist dieser Zustand auf Dauer nicht tragbar. Um eine erfolgreich bestehende Arztpraxis führen zu können, muss auf die Patient:innen eingegangen werden und die medizinische Versorgung optimiert werden.

Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass dem Fachkräftemangel in der Gesundheitsbranche entgegengewirkt wird. Als besonders zeitaufwendig zählen administrative Aufgaben, wie die Terminplanung oder das Fertigstellen von Rezepten, sowie die Dokumentation - also Tätigkeiten außerhalb der eigentlichen Behandlung.

Das reduzierte Personal in Arztpraxen und Krankenhäusern wird enorm durch die technologischen Entwicklungen entlastet und kann sich auf das Wichtigste konzentrieren: Die Patient:innen.

Digitales Angebot kein Ersatz für den Besuch in der Arztpraxis

Ein wichtig zu nennender Punkt ist jedoch auch, dass die digitalen Angebote als Ergänzung -nicht Ersatz- der medizinischen Behandlung gesehen werden müssen. Das persönliche Gespräch zwischen Arzt und Patient ist ein essentieller Faktor, vor allem bei schweren Krankheitsverläufen. Die erfolgreiche Behandlung steht und fällt mit dem persönlichen Austausch sowie den körperlichen Untersuchungen.

Weiterhin besteht zusätzlich Skepsis gegenüber der datenschutzrechtlichen Sichtweise. Patient:innen fürchten um die Sicherheit ihrer Daten. Auch aufgrund dessen verläuft die Digitalisierung in der Gesundheitsbranche in Deutschland eher schleppend. Allerdings können wichtige Schritte in die richtige Richtung beobachtet werden. Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung.

 

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